Definition von Korruption im Journalismus

Bis her konnte sich die Korruptionsforschung auf keine allgemeingültige Definition von Korruption verständigen. Daher gibt es auch keine generelle Begriffsbestimmung für Korruption im Journalismus. An verschiedener Stelle wurden jedoch in den vergangenen Jahren erste Schritte zu einer Begriffsbestimmung getätigt. So wendet zum Beispiel Ivo Rzegotta (2009)[1] die Korruptions­definition von TI auf den Journalismus an und stellt damit die korrupte Handlung ins Zentrum der Begriffsbestimmung: „Ein Journalist ist korrupt, wenn er die ihm anvertraute Macht missbraucht: Wenn er zum eigenen Vorteil oder aus falscher Rücksichtnahme auf die Interessen Dritter in einer bestimmten Weise berichtet – oder wenn er die Berichterstattung aus diesen Gründen unterlässt.“

Die Kommunikationswissenschaftler Hoffjann und Arlt (2015)[2] greifen hingegen die Beeinflussung bei der Entscheidung für oder wider einer Veröffentlichung auf und definieren: „Wenn Publikations­entscheidungen einer als Journalist tätigen Person oder eines Verlages bzw. einer Redaktion, die sich auf vermeintlich journalistische Inhalte beziehen, durch Zahlung von Geld oder geldwerten Leistungen beeinflusst werden, handelt es sich um journalistische Korruption.“

Mit dem Fokus auf der Publikationsentscheidung gelingt es Hoffjann und Arlt, sowohl den individuellen Journalisten als auch die Redaktion und den Verlag mit in die Definition einzubeziehen. Allerdings finden Beeinflussungen, welche nicht auf monetären Leitungen beruhen, in der Begriffsdeutung keine Erwähnung. Außerdem grenzt die Konzentration auf die Organisationsform Verlag andere Medien­organisationen aus. Dennoch erscheint diese Definition als geeignet, die Komplexität der Korruption im Journalismus darzustellen.

Für die Untersuchung wurde die Definition jedoch an verschiedenen Stellen erweitert. Demnach handelt es sich um journalistische Korruption, wenn Publikations­entscheidungen einer als Journalist tätigen Person oder einer Medienorganisation bzw. einer Redaktion, die sich auf journalistische Inhalte beziehen, durch Zahlung von Geld, geldwerten Leistungen, persönlichen Vorteilen nicht-monetärer Art oder Pressionen beeinflusst werden.

Persönliche Vorteile nicht-monetärer Art stehen dabei z.B. für einen Zugewinn an Macht, welcher durch die Nähe zu einflussreichen Personen in machtvollen Positionen oder durch Einladungen zu elitären Veranstaltungen herbeigeführt werden kann. Geldwerte Leistungen allein würden diesen Bereich in der Definition nicht abdecken und somit einen Anreiz zur Korruption übersehen. Auch Pression wird in die Definition mit aufgenommen. Zudem umfasst die Begrifflichkeit der Medien­organisation auch Organisationen außerhalb des Verlags­wesens, wie z.B. Rundfunk­anstalten.

[1] Rzegotta: 54

[2] Hoffjann/Arlt: 102

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